Prinzipien – ihre Bestimmung in der Ableitung

In der Erkenntnis von Prinzipien bedarf es einer Unterscheidung ursprünglich bestimmender und abgeleiteter Begriff. Beide müssen in der Erkenntnisbildung mitwirken, d.h. sie hat schon in dem statt, was als Verfahren der Ableitung sich ereignet. In ihm kommen Verbindungen und Verknüpfungen, Operationen und Ausrichtungen zum Tragen, durch die das ursprünglich Gründende und Maßgebende (als Funktionalität von Prinzipien) als solches bewußt wird, daß ihre Grund- und Maßbestimmung in Wirkung ist, also die Gabe im Geben angenommen wird und als ursprünglich das Annehmenkönnen bedingt und durch die Annahme bedingt ist.

– Beide, in ihren Begriffen als ursprüngliche und als abgeleitet sich bestimmende Prinzipien müssen in der Erkenntnisbildung zusammenwirken, d.h. wir können uns nur durch die abgeleiteten, die in Verknüpfung entsprungenen Begriffe denkend und erkennend auf das Ursprüngliche von Prinzipien zurückwenden (raummetaphorisch gesprochen) und ihr Angenommensein erinnernd ihrer Gabe in wiederempfangender Anmessung und Wiedergabe zu entsprechen: das, was und worin sie sich geben, ist das durch sie nur gegeben sein Könnende: wir im uns reflektierend und in Begriffen orientierend verhaltend.

Gründe kann man nur erkennen, wenn man gründet. Ein Maß kann man nur erkennen, wenn man durch es ermisst. Darum gehört die Anmessung und die Angemessenheit zu den abgeleiteten Begriffen, die uns das Verhalten bewußt machen, in dem und aus dem sich die Erkenntnis von Prinzipien ereignet.

Ursprüngliche, nicht abgeleitete Begriffe lassen sich nicht definieren. Die Annahme ihrer Bestimmtheit in Identität und hinreichender Unterscheidbarkeit (als Bedingung von Bedeutung und Gebrauch als Begriffe) erfordert aber ein sich Verlassen Können auf die Maßgabe- und Gründungskraft, ohne daß sie vor dem vertrauenden Annehmen beherrscht werden könnte. (Bei Erkenntnis- wie Beurteilungsgründen würde man sofort in einen Regress geraten, der davon ausgeht, daß man mit einem anderen Maß sich über das zu erkennende Maß eines Prinzips stellt – In vergegenständlichender Urteilshaltung verliert man die Teilhabe an der Gabe durch Annahme und ihrer reflexiven Arbeit der Anmessung für die darum bildungsleitende Erkenntnis.)

Prinzipienerkenntnis ist immer nur in Teilhabe, immer nur in Mitwirkung an den Funktionen und Mächten, Kräften und Vermögen möglich, die durch die abgeleiteten Begriffe bedeutet werden.

Statt einer beherrschenden Definitionsmacht kommt ein zugleich Dienendes Bestimmen im sich anmessenden Bestimmtwerden zu einer werkbildenden Wirkung.

Prinzipienbegriffe können in ihrer Identität nur durch zugleich von ihnen unterschiedenen und an ihrem Identitätsverhalten (in der Werkbildung und seiner Orientierung aus gründender Maßgabe im sich anmessenden Annehmen) teilhabenden Begriffe bestimmt werden, die sich damit zugleich bestimmen lassen. Sie kommen in einer identitätsstiftenden und Unterscheidung tragenden Verbindung zu stehen, die als Verbindung ursprünglicher Bestimmungsgründe selbst ursprünglich ist, sowohl für Identität wie Unterscheidung (nicht einfach nur der Begriffe, sondern der durch sie erschlossenen Vermögen und Verhaltensweisen im Werk / in Funktionen und Operationen).

Ein ursprüngliche Verbindung ist eine Verbindung, dadurch das, was sich verbindet, allererst es selbst sein kann. Es ist also keine Zusammensetzung von vorexistenten Elementen. Darum ist die Verbindungsbildung nicht über die Zeit zu konstruieren.

Zeitschemata führen zu Widerstreiten, die in der Darstellung des Ursprungswerks erkennbar werden. Der Austrag zur Überwindung von Widerstreit umwillen der Erkenntnis des ursprünglich sich gründend und maßgebend Gebenden wir dann zur Bedingung der Prinzpienerkenntnis (also von Metaphysik), die sich im Ordnungswerk des Ursprungs, seiner Idee gemäß, durch Erzeugung erzeigt und seine Idee im Werk der empfangenden Teilhabe erkennbar werden läßt.

Widerstreiten begegnen wir auch und in sie geraten wir, wenn wir Ursprung als Anfang von etwas erfahrbar Gegebenem nehmen (von Welt, wenn wir sie empirisch fassen). Den Austrag vollziehen wir in der Reflexion des Ursprungsgedenkens mit, das dessen als vergangen erzählter Zeit in die Gründung vergegenwärtigt, die das Maß der Einheit und die Grundlage ihrer Ordnung – wiederholend – erneuert. Schöpfungsgeschichte ist in ihrer Ordnungsgründung Austrag als Überwindung von Widerstreit, nicht Schöpfungstheorie und gründet die Ursprungsordnung der Vernunft als Verantwortungsvermögen.

Darum ist kein legitimer Gebrauch von Kategorien für das Annahme- und Erkenntnisverhalten zum Ursprung und zur Idee möglich, da Kategorien nur mit Zeitschemata in der Anschauung Bedeutung haben und ihre Bewußtseinsfunktion in der Bestimmung von Gegebenem erfüllen. Ursprung ist nicht Ursache.

Alle Kategorien gehören zu den Ableitungen und verdanken sich den Konstellationen der Urteils- und Verstandesvermögen im Verhältnis zur Wahrnehmung in der Konstitution von Gegenständen der Erscheinungen, bleiben also auf das vernehmende Wahrnehmen und Empfangen verwiesen, können ohne Raum-Zeitverhältnisse und deren Kohärenzbedingungen (es muß nicht euklidisch sein) nicht stimmig gebraucht werden.

Die Widerstreite, in die eine theoretisch sich konzipierende Metaphysik durch Gebrauch der Kategorien (der Substanz oder der Ursache, des Allgemeinen oder des Besonderen, des Realen oder der Negation, des Möglichen, Wirklichen oder Notwendigen) kommt, sind in den rationalistischen bis idealistischen Entwürfen zu entdecken und bis zu einem gewissen Grad in der Dialektik der reinen Vernunft rekonstruiert (aber längst nicht vollständig).

Zu einer Lösung findet ihr Austrag in der Kritik der Vermögen und der Entdeckung von Zuordnungen, die nur in den Ableitungsverflechtungen statt hat und die Differenzierung zu einer Begrenzung des Gebrauchs und Hinlenkung auf die Einstimmung in dem Bereich, in dem ein Bestimmungs- und Maßgrund zuständig ist.

Prinzipien erhalten ihre Gebietszuständigkeit nur mit ihrer ausgeübten Herrschaft, das sie zugleich dem Gebiet – als dem je ihren – in der Koexistenz mit anderen dienen. Erst dann kann mit Platon gedacht werden, was es für die Bestimmung der Idee der Gerechtigkeit heißt, dass ein jedes das Seine zu tun vermöge.

Wir kommen so aus der Methode zur Gerechtigkeit und geben uns damit zu erkennen, daß wir es mit Bildungs- und Einsichtswegen der praktischen Vernunft und ihrer Urteilskraft zu tun haben, Diese gilt es in ihren Wegen begleitend zu verstehen und kann nur in Übernahme der Einstimmungsverantwortung, im Austrag der begegnenden Konflikte gelingen, da wir Prinzpien zugleich vertrauensvoll aus ihren Begriffen in kritischer Unterscheidung gegenüber Indifferenz und Widerstreit und prüfend überlegt zu gebrauchen lernen. Erinnernd, was ein jedes ursprünglich war, in Gegenwart selbst zu sein.